PORTRAIT

Otto Göttler


Jahrgang 1948, aufgewachsen im Obergiesing der Nachkriegszeit, begann mit etwa sieben Jahren seine musikalische Karriere, als er mit der Mundharmonika, Marke Hohner, alle gängigen Hits der Zeit nachspielte. Nach erfolgreichem Abschluss der Hinterhofschule stieg er auf ein chromatisches Modell um. Der Vater, ein eingefleischter „Sechziger“, schickte den Buben um die Ecke zum Verein, wo er in der Jugendmannschaft mit Bravour verteidigte.

Mit 13 Jahren entschied er, den Fußball in die Ecke zu legen und seinen eigenen sportlichen Weg zu gehen: Er wurde begeisterter Radrennfahrer, zuletzt beim RC Blau-Weiß München, gewann neben zahlreichen Stürzen viele Trophäen und fuhr sich in die Meisterschaften. Diese Karriere wurde jäh mit dem frühen Tod des Vaters beendet und er übernahm dessen Geschäft, das er in den Siebzigern vom Süßwarengroßhandel zur Wein- und Spirituosen-(groß)handlung umbaute. So war er ein Mann der ersten Stunde beim alljährlichen Tollwood-Festival, verlor dabei aber nicht den Blick für das „Geschäft mit Flair“ in Obergiesing, das er zusammen mit seiner ersten Frau führte.

Mit 32 Jahren beschloss Otto Göttler, sich eine Klappzither - die kann man aufs Rad schnallen! - zu kaufen und nun wurde das Büro hinterm Laden zum Probenraum. Weil er sich in Gaißach/Tölz in einen alten Bauernhof eingemietet hatte, bespielte er dort unbeirrt alle Wirtshäuser der Umgebung und rieb sich an der traditionellen Volksmusik.

Am Faschingsdienstag 1986, immer Schabernack im Gepäck, lernte er Oberauer Volksmusikanten kennen, mit denen er den Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn gründete. Anfangs zu zweit, zum Schluss zu fünft wurde die Band langsam erfolgreich, spielte u.a auf Stadtteilfesten und bei den jungen Grünen. 1990 platzte diese Formation, aber 1991 ging es mit Monika Drasch zu dritt weiter, ab 1993 übernahm Josef Brustmann den dritten Part. In dieser Besetzung wurde der BDJW sehr erfolgreich bis zu seiner Auflösung 2002.

1993 gab Otto Göttler sein gut laufendes Weingeschäft zugunsten einer professionellen Musikerkarriere mit kabarettistischer Färbung auf, lernte seine jetzige Frau kennen, zwei Söhne wurden geborenen, und er zog aufs Land, denn dort ist ein an die 10 Instrumente übender Musikant willkommen.

Mit dem letzten Programm „Ins Amerika“ des BDJW, einer Auftragsarbeit für die Europäischen Festwochen in Passau, war die Idee des themenbezogenen Programms entstanden, das Otto Göttler mit dem Barden und bayrischen Liedermacher Sepp Raith, und einmal auch mit dem Schauspieler und DrehleierspielerWolfram Kunkel, weiterführte und damit beständig Aufmerksamkeit und begeisterte Zustimmung des Publikums bekam.

Ein Intermezzo mit den Raith-Schwestern und dem Blaimer 2005/2007 gebar die Idee der Unverschämten Wirtshausmusik. Dieses inzwischen erfolgreiche Projekt entwickelte er beständig weiter und holte sich 2008 die Harfenistin Konstanze Kraus hinzu. Seitdem treten Otto Göttler und Konstanze Kraus zu zweit auf und haben ein beträchtliches Repertoire an eigenen Liedern erarbeitet, mit dem sie viel Applaus ernten.

Seit Jahren interessierte sich Otto Göttler als mittlerweile sehr versierter kabarettistischer Volksmusikant für den Zeitgeist Münchens und die Menschen, die dem globalisierten Hype nicht folgen können, sich zurückziehen und nach heimatlicher Erde suchen oder sie gar verloren haben. Bevor er seine eigene Familie gründete, engagierte er sich für die Obdachlosen an der Wittelsbacherbrücke, verschaffte ihnen mit anderen leisen Helfern rechtlichen und finanziellen Rückhalt und schaffte es immer wieder, sie in das andere Münchner Leben zu integrieren, was z.B. auch darin mündete, dass sie 1994 mit Hilfe von Pfarrer Jürgen Fliege Teil des evangelischen Kirchentages in München wurden.

Das Gefühl, den Verlierern eine Stimme geben zu wollen, lässt ihn nicht los und er fängt nach einer längeren Amerikareise an sich mit dem Blues zu beschäftigen. 2009 lernt er Schorsch Hampel kennen und entwickelt mit ihm eine spezielle Mischung des Landlerblues. Seit 2010 treten die beiden gemeinsam auf und erregen im musikalischen Untergrund Münchens rege Aufmerksamkeit.